Thema

Segen – vier Perspektiven

Christoph:

Segen berührt. Als Pfarrer seg­ne ich Menschen. In Gottesdiensten all­ge­mein. Aber immer wie­der auch sehr kon­kret und per­sön­lich, durch Auflegen der Hände oder ein Kreuzzeichen auf die Stirn oder die Hand – manch­mal mit Salböl. Noch gut in Erinnerung habe ich Segnungen in der letz­ten Zeit: Hochzeitspaare bei der Trauung; Täuflinge und deren Eltern und Paten; Schulkinder bei der Einschulung oder zu Beginn in der neu­en Schule; Schulabgänger*innen beim Schulabschluss-Gottesdienst; Menschen in den Seniorenheimen; und auch Sterbende.

Immer wie­der erle­be ich, dass Menschen dabei sehr prä­sent sind, andäch­tig und oft auch emo­tio­nal berührt; weil sie erle­ben, wie eine Kraft fließt, die gut tut, ver­ge­wis­sert, stärkt.

Horst:

Segen heißt für mich ande­ren Menschen Gutes wün­schen und Gutes tun, weil ich selbst geseg­net bin. Dabei ist für mich der Leitgedanke ein Vers aus der Bibel. Gott sagt zu Abraham: „Ich will dich seg­nen und du sollst ein Segen sein!“ (1. Mose 12,2)

Auch, wenn im Leben nicht alles per­fekt läuft und ich auch vor Krankheiten nicht ver­schont wer­de, so bin ich doch geseg­net. Ich habe ein Dach über dem Kopf, eine Arbeit und eine Familie, die mich liebt. Mir geht es gut. Ich kann in Freiheit leben und mei­nen Interessen nach­ge­hen. Das ist nicht selbst­ver­ständ­lich, ich füh­le mich auch da gesegnet.

Aber viel wich­ti­ger ist für mich, dass ich inner­lich geseg­net bin. Ich weiß, dass da ein Gott ist, der mich sieht und mir mit sei­ner Liebe und Güte begeg­net. Ich spü­re Gottes Segen in mei­nem Leben und will die­sen Segen wei­ter­ge­ben; durch freund­li­che Taten und Worte. So ist Gottes Segen ein Zuspruch, aber für mich auch ein Anspruch.

Sabine:

Ich und viel­leicht vie­le ande­re erle­ben es bestimmt täg­lich: Wir tun etwas und bekom­men direkt danach etwas dafür zurück. Zeit, Hilfe, Aufmerksamkeit – oft erwar­ten wir zumin­dest ein Dankeschön oder eine Gegenleistung. Etwas ein­fach zu tun, ohne zu fra­gen, was für uns dabei her­aus­springt, ist fast schon ungewohnt.

Bei dem Segen ist das aller­dings anders. Einen Menschen zu seg­nen bedeu­tet, ihm etwas zu schen­ken, ohne etwas zurück­zu­er­war­ten. Wir geben unse­ren guten Wunsch, unse­re Hoffnung und unse­re Zuversicht ein­fach wei­ter – ganz uneigennützig.

Segen sagt: Ich wün­sche dir Gutes. Ich wün­sche dir Kraft für dei­nen Weg. Ich möch­te dir etwas mit­ge­ben, das dir gut­tut – ohne Bedingungen und ohne Erwartung.

Vielleicht liegt genau dar­in die beson­de­re Kraft des Segens: zu geben, ein­fach weil wir geben kön­nen. Nicht, weil wir etwas dafür bekom­men. Sondern weil es gut­tut, einem ande­ren Menschen Gutes zu tun.

Stefan:

Segen ist mehr als ein guter Wunsch. Wenn Dich ein Mensch seg­net, dann wünscht er Dir nicht nur von Herzen alles Gute – zum Beispiel für den Neustart nach den Ferien, den neu­en Job, für den neu­en Lebensabschnitt. Wenn Dich ein Mensch seg­net, dann bit­tet er Gott dar­um, Dich auf Deinem Weg zu beglei­ten in der tie­fen Überzeugung, dass Du nicht nur ande­ren Menschen wich­tig bist, son­dern eine tie­fe­re Wirklichkeit, Gott, trägt dich.

Ein Text von
  • Pfarrer
  • Kirchenvorstands-Vorsitzender

Im Odenwald bin ich 1969 gebo­ren und habe dort mei­ne Kindheit und Jugend ver­bracht. Nach der Schule zog es mich nach Südafrika, wo ich ein kirch­li­ches Praktikum absol­vier­te. Mein Theologiestudium führ­te mich nach Marburg, Heidelberg und Kapstadt. Nach dem Vikariat in Allendorf a.d. Lumda war ich in Südafrika als Friedensfachkraft im kirch­li­chen Entwicklungsdienst tätig. 2012 kehr­te ich wie­der nach Deutschland zurück, wo ich zunächst in Schaafheim eine Pfarrstelle über­nahm. Ich bin ver­hei­ra­tet und habe zwei Söhne. 

Vor mei­ner jour­na­lis­ti­schen Ausbildung habe ich an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen Theologie stu­diert. Daher ist es mir auch ein Anliegen, in der Gemeindearbeit inhalt­li­che Impulse bzw. theo­­lo­­gisch-bibli­­sche Akzente zu set­zen. Außerdem fin­de ich die Arbeit unse­rer inte­gra­ti­ven Kita sehr wich­tig. Unsere drei Kinder haben die Zeit dort sehr genossen. 

Die Nachfrage nach sinn­stif­ten­den und ori­en­tie­ren­den Angeboten, Impulsen und Inspiration für Herz und Geist ist hoch. Ich fin­de es wich­tig, dass die evan­ge­li­sche Kirche mit ihren libe­ra­len theo­lo­gi­schen Ansichten für Menschen in die­sen Fragen ein Zuhause bie­tet und das auch nach außen ein­la­dend und zeit­ge­mäß zeigt. Deshalb enga­gie­re ich mich ger­ne in der Öffentlichkeitsarbeit der Markus-Kirchengemeinde. 

Ein Beitrag aus dem

Gemeindebrief 184
Ausgabe 2026/3

Titelthema:
Segen

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