„Ich will den Herren droben
hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben,
solang ich leben werd.“
(aus: „Du meine Seele singe“, EG 302)
Wer so schreibt, dem muss es im Leben gut gehen, um so dankbar für den Segen Gottes zu sein. Doch das Leben von Paul Gerhardt, von dem diese Zeilen stammen, war zwar segensreich, aber keinesfalls sorgenfrei.
Geboren wird Paul Gerhardt 1607 in dem kleinen Ort Gräfenhainichen in Kursachsen. Als 1618 der dreißigjährige Krieg ausbricht, ist Paul Gerhardt gerade einmal elf Jahre alt. Die Schrecken dieses Krieges, der ganz Europa verwüstet, erreicht bald auch die Familie Gerhardt. Der Vater stirbt 1619, die Mutter zwei Jahre später. Dennoch schafft Paul Gerhardt den Abschluss an der Fürstenschule St. Augustin in Grimma und studiert ab 1627 in Wittenberg. Dort verfasst er sein erstes Gedicht. Anschließend geht er nach Berlin, wo er zunächst als Hauslehrer tätig ist. Er lernt den Kantor der Nikolaikirche Johann Krüger kennen, der 1647 ein Gesangbuch herausgibt, das bereits 18 Lieder von Paul Gerhardt beinhaltet.

1655 heiratet Paul Gerhardt Anna Maria Berthold. Von fünf Kindern, die die beiden bekommen, sterben vier bereits sehr früh. Als seine Frau nach nur zwölf Jahren Ehe ebenfalls stirbt, ist Paul Gerhardt 61 und hat einen fünfjährigen Sohn.
Zu den persönlichen Schicksalsschlägen kommen theologische Auseinandersetzungen mit dem brandenburgischen Kurfürsten hinzu. Diese führen dazu, dass Paul Gerhardt 1666 seine Anstellung und damit sein Einkommen verliert. Erst drei Jahre später kann er eine neue Stelle als Pfarrer in Lübben antreten. Dort bleibt er bis zu seinem Tod im Mai 1676.
Neben all den persönlichen Schicksalsschlägen, allem Leid und der Not die er erleben musste, hatte Paul Gerhardt immer nur sehr wenige finanzielle Mittel zur Verfügung. Dennoch dankt Paul Gerhardt noch in seinem Testament Gott für alles Gute, was er „an Leib und Seele“ empfangen hat.
Heute würde man sagen, dass Paul Gerhardt ein Mensch mit ausgesprochen großer Resilienz war. Trotz der bitteren Erfahrungen hat er weder seinen Glauben an einen gütigen und gnädigen Gott noch Lebensmut und Lebensfreude verloren. Er sieht trotz des Leids immer auch das Gute, das im eigenen Leben und der Welt, um ihn herum zu finden ist.
Es sind diese Lebenseinstellung und Glaubensüberzeugung, die Paul Gerhardt in seine Lieder hat einfließen lassen und die bis heute Menschen ansprechen, auch noch nach über 350 Jahren.
27 von Paul Gerhardts Liedern stehen heute noch im Evangelischen Gesangbuch, sechs im katholischen „Gotteslob“. Mit den Liedern von Paul Gerhardt kann man einmal durchs Kirchenjahr gehen; vom Advent „Wie soll ich dich empfangen“ (EG 11) überWeihnachten „Ich steh an Deiner Krippen hier“ (EG 37) zuKarfreitag „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85) und Ostern „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“ (EG 112), aber auch Sommer „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ (EG 503), denMorgen „Die güldne Sonne“ und den Abend „Nun ruhen alle Wälder“ (EG 477) hat Paul Gerhardt in Texte von großer Tiefe und Gottvertrauen verpackt.
Es ist das ausgefeilte Versmaß, das Texte von Paul Gerhardt stilistisch auszeichnet, dazu kommen die vielfältige und bildhafte Sprache und ein tröstender und hoffnungsvoller Grundton, durch die seine Dichtungen Menschen bis heute berühren und mit einstimmen lassen in das Lob Gottes.
Ein Text von
Vor meiner journalistischen Ausbildung habe ich an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen Theologie studiert. Daher ist es mir auch ein Anliegen, in der Gemeindearbeit inhaltliche Impulse bzw. theologisch-biblische Akzente zu setzen. Außerdem finde ich die Arbeit unserer integrativen Kita sehr wichtig. Unsere drei Kinder haben die Zeit dort sehr genossen.

