Bericht

Ein erhabenes Lob Gottes – 70 Jahre Posaunenchor in der Markuskirche

Posaunenchor Butzbach 1967

Am Pfingstsonntag wur­de mit einem fest­li­chen Gottesdienst und einem Bläserfest das 70-jäh­ri­ge Bestehen des Posaunenchores der Evangelischen Markus-Kirchengemeinde Butzbach gefei­ert. Außerdem konn­te Kantor und Leiter des Posaunenchores, Uwe Krause, auf 40 Jahre Dienst in der Markus-Kirchengemeinde zurück­bli­cken. Aus Anlass des Jubiläums des Posaunenchores habe ich mich mit zwei Gründungsmitgliedern des Posaunenchores Norbert Remlinger und Hans-Ludwig Schmidt, sowie Kantor Uwe Krause unterhalten.

Begonnen hat der Posaunenchor im August des Jahres 1956. Die Idee zur Gründung des Posaunenchores hat­ten der dama­li­ge Pfarrer Herbert Schott und Kirchenmusiker Erwin Mohr, der auf Grund sei­ner Ausbildung als Posaunist für die­se Aufgabe prä­de­sti­niert war.

Gegründet wur­de der Posaunenchor „in der Absicht das Gemeindeleben zu akti­vie­ren“, so schrieb es Erwin Mohr im Programm zum 25-jäh­ri­gen Jubiläum des Posaunenchores 1981. Dieses Ziel wur­de gleich zu Beginn schon erreicht und das hat sich in 70 Jahren auch nicht geän­dert. Vor allem jun­ge Leute woll­te man für die Kirchenmusikalisch Arbeit begeis­tern und so wur­de an den Butzbacher Schulen und in der Jungschar dafür gewor­ben, und das mit Erfolg. Der Andrang war so groß, rund 40 Kinder und Jugendliche woll­ten im neu­en Posaunenchor mit­spie­len, dass die Instrumente, für deren Anschaffung der dama­li­ge Kirchenvorstand die finan­zi­el­len Mittel bereit­ge­stellt hat­te, nicht aus­reich­ten. Bereits im ers­ten Jahr sei­ner Gründung hat der noch jun­ge Posaunenchor an etli­chen Gottesdiensten mit­ge­wirkt und den Gemeindegesang beglei­tet. „Nun dan­ket alle Gott“ war der ers­te Choral, den der Posaunenchor gespielt hat, so erin­nert sich Hans-Ludwig Schmidt. Bei Norbert Remlinger ist der ers­te Auftritt des Posaunenchores am Morgen des Ostersonntag 1957 auf dem Freidhof gut in Erinnerung geblie­ben. Damals ist eine Tradition ent­stan­den, die bis heu­te bestand hat.

Einig sind sich die, die damals zu Beginn schon dabei waren, dass musi­ka­lisch noch Luft nach oben war, aber die Freude am Spielen und das Engagement waren schon sehr aus­ge­prägt. Dennoch nahm die Zahl der akti­ven Posaunenchormitglieder bereits im Laufe der nächs­ten Monate deut­lich ab.

Und nach Ablauf des ers­ten Jahres stand der noch jun­ge Posaunenchor fast schon wie­der vor sei­nem Ende. Denn der größ­te Teil der akti­ven Posaunenchormitglieder besuch­te das Weidig-Gymnasium in Butzbach und mach­te 1957 Abitur. Danach ver­lie­ßen die meis­ten zum Studium ihre Heimatstadt und somit auch den Posaunenchor. Ein paar weni­ge Stützen blie­ben aber erhal­ten; zu ihnen zähl­ten Norbert Remlinger und Hans-Ludwig Schmidt. Beide soll­ten über Jahrzehnte die kir­chen­mu­si­ka­li­sche Arbeit in der Markusgemeinde mit­prä­gen. Noch heu­te erzäh­len bei­de mit Begeisterung von den Anfängen des Posaunenchores in Butzbach. Zu die­sen Anfängen gehört auch Diakon Heinrich Bechtel, der 1958 nach Butzbach kam und dann bis 1965 den Posaunenchor über­nom­men hat. Diakon Bechtel ver­stand es beson­ders gut jun­ge Leute anzu­spre­chen und für den Posaunenchor zu begeis­tern. Denn schon bald wur­de deut­lich, dass es immer wie­der neu­er Mitglieder im Posaunenchor bedurf­te und die Nachwuchsarbeit von lebens­wich­ti­ger Bedeutung sein würde.

Besonders in Erinnerung geblie­ben sind die Fahrten mit dem Posaunenchor zu den evan­ge­li­schen Kirchentagen zum Beispiel 1959 in München oder 1961 in Berlin.

Im Frühjahr 1986 brach beim Posaunenchor dann eine neue Ära an. Kirchenmusiker Uwe Krause über­nahm die Leitung der in drei Jahrzehnten eta­blier­ten Bläserarbeit. Seine außer­or­dent­li­chen Fähigkeiten als Bläser gaben den Ausschlag, so erin­nert sich Norbert Remlinger, wes­halb sich der Kirchenmusikausschuss und Kirchenvorstand der Markusgemeinde damals für den noch jun­gen Kantor, der frisch vom Studium kam, ent­schie­den haben. Hier wuss­te man den Posaunenchor in den aller­bes­ten Händen.

Der Start im Mai vor 40 Jahren war für Uwe Krause dann aber doch ein Sprung ins kal­te Wasser. Am Himmelfahrtstag soll­te der Posaunenchor spie­len. Ohne eine ein­zi­ge Probe, dafür aber mit einer Telefonliste der Chormitglieder aus­ge­stat­tet, ging Uwe Krause die Herausforderung an. Er tele­fo­nier­te die Liste durch und am Ende erschie­nen knapp zehn Leute um 9 Uhr am Parkplatz vor der Schrenzerschule, wo der Gottesdienst statt­fin­den soll­te. Uwe Krause hat­te Literatur für den ihm unbe­kann­ten Chor aus­ge­wählt „und dann spiel­ten wir ein­fach drauf los“, so beschreibt es Uwe Krause.

Wie 30 Jahre zuvor wur­de auch 1986 eine Werbekampagne an den Butzbacher Schulen durch­ge­führt, so dass mit 45 Kindern zwei Mal die Woche in zwei Gruppen mit Jungbläsern gestar­tet wer­den konn­te, um Nachwuchs für den Posaunenchor zu bil­den. Auch das eine gro­ße Herausforderung, denn es waren nicht genü­gend Instrumente vor­han­den. Der Kirchenvorstand ent­schied damals 20 neue Instrumente anzu­schaf­fen, die bis heu­te im Einsatz sind.

Posaunenchor Butzbach ca. 2005

Seit damals hat Uwe Krause alle drei Jahre eine neue Jungbläsergruppe begon­nen. Später waren es nicht ganz so vie­le Neulinge wie zu Beginn und natür­lich blie­ben auch nicht alle dau­er­haft dabei. Zum einen, weil mit dem Schulabschluss jun­ge Leute, wie in den Jahrzehnten davor, Butzbach und dem Posaunenchor den Rücken gekehrt haben. Und dann haben eini­ge das Erlernen des Instruments nicht dau­er­haft durch­ge­hal­ten. Denn bis man ein Instrument wie eine Trompete gut beherrscht, dau­ert es rund fünf Jahre mit inten­si­vem Üben. Dazu, so Uwe Krause, brau­che es auch „ein sozia­les Umfeld, sprich eine Familie, die das unter­stützt, die das auch aus­hält, dass die ers­ten Töne nicht gera­de die schöns­ten sind, die auch Krisen durch­ste­hen und sagen, jetzt schmeißt man nicht gleich die Posaune ins Korn, son­dern mach mal wei­ter, das wird schon.“

Das Spielen einer Trompete sei sehr kom­plex, die Atmung, die Muskulatur, die Lippenspannung, die Tongebung, alles das brau­che sehr viel Übung und dann auch per­ma­nen­tes Training, weil die Fähigkeit des Spielens, las­se ganz schnell nach, wenn man nicht übe. Selbst ein Profi wie er, wür­de es mer­ken, wenn er drei Wochen nicht geübt habe, gesteht Krause. Dann müs­se auch er eine Woche inten­siv üben. Darin ist Uwe Krause nun seit vie­len Jahrzehnten Vorbild und Motivator für alle Bläserinnen und Bläser im Posaunenchor. Auch sein Enthusiasmus für die Bläsermusik habe sicher­lich eine Ausstrahlung und das eige­ne Spiel kön­ne sicher auch Vorbildcharakter haben.

Heute sind 17 Leute im Posaunenchor aktiv. Anfang der 2000 Jahre waren es sogar 25. Doch es ist zuneh­mend schwie­rig Nachwuchs an den Posaunenchor her­an­zu­füh­ren. Zu vie­le ande­re Hobbys und Interessen ste­hen heu­te in Konkurrenz zum Erlernen eines Instruments, das beson­de­re Disziplin im Üben und Verlässlichkeit im Proben mit dem gesam­ten Posaunenchor erfor­de­re. So man­ches musi­ka­li­sche Talent muss­te Uwe Krause schwe­ren Herzens zie­hen lassen.

Posaunenchor Butzbach Bläsermusik 2026

Seine eige­ne Begeisterung für die Bläsermusik rührt aus sei­ner Kindheit und aus dem Bewusstsein in einer Jahrtausende alten Tradition zu ste­hen, denn schon in Psalm 150 heißt es „Lobe den Herrn mit Posaunen“. Und so sei­en es auch die gro­ßen Loblieder, wie „Nun dan­ket alle Gott“ oder „Großer Gott, wir loben dich“, die eine Atmosphäre im Raum schaf­fen, wenn eine gro­ße sin­gen­de Gemeinde von einem gut klin­gen­den Blechbläserchor beglei­tet wer­de. Da gehe einem das Herz auf, weil man den­ke, „die­se Gemeinschaft hier singt zum Lobe Gottes“.

Unterstützt wird das alles in Butzbach durch den beson­de­ren Raumklang der Markuskirche, der Uwe Krause abso­lut begeis­tert. Die Akustik der Markuskirche sei beson­ders für Blechbläser fan­tas­tisch und mit ein Grund, war­um er bis heu­te in Butzbach geblie­ben sei. Doch die­se Zeit gehe nun zu Ende und er bli­cke sehr dank­bar auf Vieles zurück. Damit steht der Posaunenchor 70 Jahre nach sei­ner Gründung wie­der vor einem Umbruch. Uwe Krause hofft, dass eine geeig­ne­te Person gefun­den wird, die sei­ne Nachfolge antritt und dass der Posaunenchor als einer der Grundpfeiler der Markus-Kirchengemeinde auch in Zukunft erhal­ten bleibt.

Ein Text von

Vor mei­ner jour­na­lis­ti­schen Ausbildung habe ich an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen Theologie stu­diert. Daher ist es mir auch ein Anliegen, in der Gemeindearbeit inhalt­li­che Impulse bzw. theo­­lo­­gisch-bibli­­sche Akzente zu set­zen. Außerdem fin­de ich die Arbeit unse­rer inte­gra­ti­ven Kita sehr wich­tig. Unsere drei Kinder haben die Zeit dort sehr genossen. 

Ein Beitrag aus dem

Gemeindebrief 183
Ausgabe 2026/2

Titelthema:
Trotzdem.

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