Am Pfingstsonntag wurde mit einem festlichen Gottesdienst und einem Bläserfest das 70-jährige Bestehen des Posaunenchores der Evangelischen Markus-Kirchengemeinde Butzbach gefeiert. Außerdem konnte Kantor und Leiter des Posaunenchores, Uwe Krause, auf 40 Jahre Dienst in der Markus-Kirchengemeinde zurückblicken. Aus Anlass des Jubiläums des Posaunenchores habe ich mich mit zwei Gründungsmitgliedern des Posaunenchores Norbert Remlinger und Hans-Ludwig Schmidt, sowie Kantor Uwe Krause unterhalten.
Begonnen hat der Posaunenchor im August des Jahres 1956. Die Idee zur Gründung des Posaunenchores hatten der damalige Pfarrer Herbert Schott und Kirchenmusiker Erwin Mohr, der auf Grund seiner Ausbildung als Posaunist für diese Aufgabe prädestiniert war.
Gegründet wurde der Posaunenchor „in der Absicht das Gemeindeleben zu aktivieren“, so schrieb es Erwin Mohr im Programm zum 25-jährigen Jubiläum des Posaunenchores 1981. Dieses Ziel wurde gleich zu Beginn schon erreicht und das hat sich in 70 Jahren auch nicht geändert. Vor allem junge Leute wollte man für die Kirchenmusikalisch Arbeit begeistern und so wurde an den Butzbacher Schulen und in der Jungschar dafür geworben, und das mit Erfolg. Der Andrang war so groß, rund 40 Kinder und Jugendliche wollten im neuen Posaunenchor mitspielen, dass die Instrumente, für deren Anschaffung der damalige Kirchenvorstand die finanziellen Mittel bereitgestellt hatte, nicht ausreichten. Bereits im ersten Jahr seiner Gründung hat der noch junge Posaunenchor an etlichen Gottesdiensten mitgewirkt und den Gemeindegesang begleitet. „Nun danket alle Gott“ war der erste Choral, den der Posaunenchor gespielt hat, so erinnert sich Hans-Ludwig Schmidt. Bei Norbert Remlinger ist der erste Auftritt des Posaunenchores am Morgen des Ostersonntag 1957 auf dem Freidhof gut in Erinnerung geblieben. Damals ist eine Tradition entstanden, die bis heute bestand hat.
Einig sind sich die, die damals zu Beginn schon dabei waren, dass musikalisch noch Luft nach oben war, aber die Freude am Spielen und das Engagement waren schon sehr ausgeprägt. Dennoch nahm die Zahl der aktiven Posaunenchormitglieder bereits im Laufe der nächsten Monate deutlich ab.
Und nach Ablauf des ersten Jahres stand der noch junge Posaunenchor fast schon wieder vor seinem Ende. Denn der größte Teil der aktiven Posaunenchormitglieder besuchte das Weidig-Gymnasium in Butzbach und machte 1957 Abitur. Danach verließen die meisten zum Studium ihre Heimatstadt und somit auch den Posaunenchor. Ein paar wenige Stützen blieben aber erhalten; zu ihnen zählten Norbert Remlinger und Hans-Ludwig Schmidt. Beide sollten über Jahrzehnte die kirchenmusikalische Arbeit in der Markusgemeinde mitprägen. Noch heute erzählen beide mit Begeisterung von den Anfängen des Posaunenchores in Butzbach. Zu diesen Anfängen gehört auch Diakon Heinrich Bechtel, der 1958 nach Butzbach kam und dann bis 1965 den Posaunenchor übernommen hat. Diakon Bechtel verstand es besonders gut junge Leute anzusprechen und für den Posaunenchor zu begeistern. Denn schon bald wurde deutlich, dass es immer wieder neuer Mitglieder im Posaunenchor bedurfte und die Nachwuchsarbeit von lebenswichtiger Bedeutung sein würde.
Besonders in Erinnerung geblieben sind die Fahrten mit dem Posaunenchor zu den evangelischen Kirchentagen zum Beispiel 1959 in München oder 1961 in Berlin.

Im Frühjahr 1986 brach beim Posaunenchor dann eine neue Ära an. Kirchenmusiker Uwe Krause übernahm die Leitung der in drei Jahrzehnten etablierten Bläserarbeit. Seine außerordentlichen Fähigkeiten als Bläser gaben den Ausschlag, so erinnert sich Norbert Remlinger, weshalb sich der Kirchenmusikausschuss und Kirchenvorstand der Markusgemeinde damals für den noch jungen Kantor, der frisch vom Studium kam, entschieden haben. Hier wusste man den Posaunenchor in den allerbesten Händen.
Der Start im Mai vor 40 Jahren war für Uwe Krause dann aber doch ein Sprung ins kalte Wasser. Am Himmelfahrtstag sollte der Posaunenchor spielen. Ohne eine einzige Probe, dafür aber mit einer Telefonliste der Chormitglieder ausgestattet, ging Uwe Krause die Herausforderung an. Er telefonierte die Liste durch und am Ende erschienen knapp zehn Leute um 9 Uhr am Parkplatz vor der Schrenzerschule, wo der Gottesdienst stattfinden sollte. Uwe Krause hatte Literatur für den ihm unbekannten Chor ausgewählt „und dann spielten wir einfach drauf los“, so beschreibt es Uwe Krause.
Wie 30 Jahre zuvor wurde auch 1986 eine Werbekampagne an den Butzbacher Schulen durchgeführt, so dass mit 45 Kindern zwei Mal die Woche in zwei Gruppen mit Jungbläsern gestartet werden konnte, um Nachwuchs für den Posaunenchor zu bilden. Auch das eine große Herausforderung, denn es waren nicht genügend Instrumente vorhanden. Der Kirchenvorstand entschied damals 20 neue Instrumente anzuschaffen, die bis heute im Einsatz sind.

Seit damals hat Uwe Krause alle drei Jahre eine neue Jungbläsergruppe begonnen. Später waren es nicht ganz so viele Neulinge wie zu Beginn und natürlich blieben auch nicht alle dauerhaft dabei. Zum einen, weil mit dem Schulabschluss junge Leute, wie in den Jahrzehnten davor, Butzbach und dem Posaunenchor den Rücken gekehrt haben. Und dann haben einige das Erlernen des Instruments nicht dauerhaft durchgehalten. Denn bis man ein Instrument wie eine Trompete gut beherrscht, dauert es rund fünf Jahre mit intensivem Üben. Dazu, so Uwe Krause, brauche es auch „ein soziales Umfeld, sprich eine Familie, die das unterstützt, die das auch aushält, dass die ersten Töne nicht gerade die schönsten sind, die auch Krisen durchstehen und sagen, jetzt schmeißt man nicht gleich die Posaune ins Korn, sondern mach mal weiter, das wird schon.“
Das Spielen einer Trompete sei sehr komplex, die Atmung, die Muskulatur, die Lippenspannung, die Tongebung, alles das brauche sehr viel Übung und dann auch permanentes Training, weil die Fähigkeit des Spielens, lasse ganz schnell nach, wenn man nicht übe. Selbst ein Profi wie er, würde es merken, wenn er drei Wochen nicht geübt habe, gesteht Krause. Dann müsse auch er eine Woche intensiv üben. Darin ist Uwe Krause nun seit vielen Jahrzehnten Vorbild und Motivator für alle Bläserinnen und Bläser im Posaunenchor. Auch sein Enthusiasmus für die Bläsermusik habe sicherlich eine Ausstrahlung und das eigene Spiel könne sicher auch Vorbildcharakter haben.
Heute sind 17 Leute im Posaunenchor aktiv. Anfang der 2000 Jahre waren es sogar 25. Doch es ist zunehmend schwierig Nachwuchs an den Posaunenchor heranzuführen. Zu viele andere Hobbys und Interessen stehen heute in Konkurrenz zum Erlernen eines Instruments, das besondere Disziplin im Üben und Verlässlichkeit im Proben mit dem gesamten Posaunenchor erfordere. So manches musikalische Talent musste Uwe Krause schweren Herzens ziehen lassen.

Seine eigene Begeisterung für die Bläsermusik rührt aus seiner Kindheit und aus dem Bewusstsein in einer Jahrtausende alten Tradition zu stehen, denn schon in Psalm 150 heißt es „Lobe den Herrn mit Posaunen“. Und so seien es auch die großen Loblieder, wie „Nun danket alle Gott“ oder „Großer Gott, wir loben dich“, die eine Atmosphäre im Raum schaffen, wenn eine große singende Gemeinde von einem gut klingenden Blechbläserchor begleitet werde. Da gehe einem das Herz auf, weil man denke, „diese Gemeinschaft hier singt zum Lobe Gottes“.
Unterstützt wird das alles in Butzbach durch den besonderen Raumklang der Markuskirche, der Uwe Krause absolut begeistert. Die Akustik der Markuskirche sei besonders für Blechbläser fantastisch und mit ein Grund, warum er bis heute in Butzbach geblieben sei. Doch diese Zeit gehe nun zu Ende und er blicke sehr dankbar auf Vieles zurück. Damit steht der Posaunenchor 70 Jahre nach seiner Gründung wieder vor einem Umbruch. Uwe Krause hofft, dass eine geeignete Person gefunden wird, die seine Nachfolge antritt und dass der Posaunenchor als einer der Grundpfeiler der Markus-Kirchengemeinde auch in Zukunft erhalten bleibt.
Ein Text von
Vor meiner journalistischen Ausbildung habe ich an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen Theologie studiert. Daher ist es mir auch ein Anliegen, in der Gemeindearbeit inhaltliche Impulse bzw. theologisch-biblische Akzente zu setzen. Außerdem finde ich die Arbeit unserer integrativen Kita sehr wichtig. Unsere drei Kinder haben die Zeit dort sehr genossen.

