Die Jünger hätten mit Jesus noch lange durchs Land wandern wollen. Jesus hätte den Menschen vom Reich Gottes erzählt, hätte Wunder vollbracht und erklärt, was es heißt nach dem Willen Gottes zu leben. Und dann hätte Jesus das Reich Gottes in Israel aufgerichtet und wäre neuer König geworden. So die Hoffnung der Jünger Jesu.
Doch es war alles so ganz anders gekommen. Jesus war am Kreuz gestorben; als Verbrecher hingerichtet. Alle Hoffnungen, die seine Nachfolger auf ihn gesetzt hatten, waren ein für alle Mal ausgelöscht. Hatten sie auf den falschen Mann gesetzt?
Hätten die Menschen, die Jesus gefolgt sind genau hingehört, dann hätte ihnen etwas auffallen können. Immer wieder hatte Jesus davon gesprochen, dass es seine Bestimmung sei, als Erlöser für die Schuld der Menschen zu sterben.
Nun war Jesus tot, gestorben und begraben und mit ihm all ihre Hoffnungen. Deutlich wird das im Lukasevangelium, Kapitel 24. Die Frauen, die das leere Grab am Ostermorgen vorfinden, berichten den versammelten Jüngern davon, und dass Jesus auferstanden sei. Aber die Jünger glauben ihnen nicht, weil weder Tod noch Auferstehung in ihr Bild von Jesus und seiner Bestimmung passten. Sie werden durch den Bericht der Frauen nur noch mehr verunsichert.
Dann wird im selben Kapitel über zwei Jünger berichtet, die sich auf den Weg in den Ort Emmaus machen. Ein Mann gesellt sich zu ihnen. Es ist Jesus, den sie aber nicht erkennen. Als Jesus nun fragt, was sie denn da auf dem Weg diskutieren, erzählen sie ihm vom Schicksal von Jesus und führen dann aus: „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde.“ Sie beschreiben ihre Enttäuschung und erklären, dass sie der Bericht der Frauen, die sagen, dass Jesu Grab leer gewesen sei, erschreckt habe.
Letztlich erkennen die beiden Männer Jesus dann doch und kehren zurück nach Jerusalem und zum Haus, in dem sich Frauen und Männer versammelt hatten, die Jesus gefolgt waren. Dort erscheint auch Jesus, erklärt alles und beendet ihre Verunsicherung. Das Verhalten der Jünger damals ist völlig verständlich. Wenn Sicherheiten wegbrechen, die Zukunft ungewiss ist, dann bestimmen Angst und Unsicherheit die Gedanken. Wie ist es, wenn meine Hoffnungen enttäuscht werden? Die Jünger damals suchen Trost und Halt untereinander und reden über das Erlebte. Was richtig und gut ist. Austausch und Gemeinschaft sind wesentlich in der christlichen Gemeinde (Apg. 2,42). Gerade in Zeiten der Unsicherheit ist es wichtig, sich gegenseitig zu stützen und zu unterstützen, und daraus Mut und Hoffnung zu schöpfen. Dann kann es passieren – so wie am Ostermorgen, als Jesus den versammelten Jüngern erscheint –, dass Gott die maximale Verunsicherung überwindet und neue Lebenskraft schenkt.
Ein Text von
Vor meiner journalistischen Ausbildung habe ich an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen Theologie studiert. Daher ist es mir auch ein Anliegen, in der Gemeindearbeit inhaltliche Impulse bzw. theologisch-biblische Akzente zu setzen. Außerdem finde ich die Arbeit unserer integrativen Kita sehr wichtig. Unsere drei Kinder haben die Zeit dort sehr genossen.
