Impuls Thema

Karfreitag, die maximale Verunsicherung

Ferdinand Olivier (1785-1841) - The Journey to Emmaus

Die Jünger hät­ten mit Jesus noch lan­ge durchs Land wan­dern wol­len. Jesus hät­te den Menschen vom Reich Gottes erzählt, hät­te Wunder voll­bracht und erklärt, was es heißt nach dem Willen Gottes zu leben. Und dann hät­te Jesus das Reich Gottes in Israel auf­ge­rich­tet und wäre neu­er König gewor­den. So die Hoffnung der Jünger Jesu.

Doch es war alles so ganz anders gekom­men. Jesus war am Kreuz gestor­ben; als Verbrecher hin­ge­rich­tet. Alle Hoffnungen, die sei­ne Nachfolger auf ihn gesetzt hat­ten, waren ein für alle Mal aus­ge­löscht. Hatten sie auf den fal­schen Mann gesetzt?

Hätten die Menschen, die Jesus gefolgt sind genau hin­ge­hört, dann hät­te ihnen etwas auf­fal­len kön­nen. Immer wie­der hat­te Jesus davon gespro­chen, dass es sei­ne Bestimmung sei, als Erlöser für die Schuld der Menschen zu sterben.

Nun war Jesus tot, gestor­ben und begra­ben und mit ihm all ihre Hoffnungen. Deutlich wird das im Lukasevangelium, Kapitel 24. Die Frauen, die das lee­re Grab am Ostermorgen vor­fin­den, berich­ten den ver­sam­mel­ten Jüngern davon, und dass Jesus auf­er­stan­den sei. Aber die Jünger glau­ben ihnen nicht, weil weder Tod noch Auferstehung in ihr Bild von Jesus und sei­ner Bestimmung pass­ten. Sie wer­den durch den Bericht der Frauen nur noch mehr verunsichert.

Dann wird im sel­ben Kapitel über zwei Jünger berich­tet, die sich auf den Weg in den Ort Emmaus machen. Ein Mann gesellt sich zu ihnen. Es ist Jesus, den sie aber nicht erken­nen. Als Jesus nun fragt, was sie denn da auf dem Weg dis­ku­tie­ren, erzäh­len sie ihm vom Schicksal von Jesus und füh­ren dann aus: „Wir aber hoff­ten, er sei es, der Israel erlö­sen wer­de.“ Sie beschrei­ben ihre Enttäuschung und erklä­ren, dass sie der Bericht der Frauen, die sagen, dass Jesu Grab leer gewe­sen sei, erschreckt habe.

Letztlich erken­nen die bei­den Männer Jesus dann doch und keh­ren zurück nach Jerusalem und zum Haus, in dem sich Frauen und Männer ver­sam­melt hat­ten, die Jesus gefolgt waren. Dort erscheint auch Jesus, erklärt alles und been­det ihre Verunsicherung. Das Verhalten der Jünger damals ist völ­lig ver­ständ­lich. Wenn Sicherheiten weg­bre­chen, die Zukunft unge­wiss ist, dann bestim­men Angst und Unsicherheit die Gedanken. Wie ist es, wenn mei­ne Hoffnungen ent­täuscht wer­den? Die Jünger damals suchen Trost und Halt unter­ein­an­der und reden über das Erlebte. Was rich­tig und gut ist. Austausch und Gemeinschaft sind wesent­lich in der christ­li­chen Gemeinde (Apg. 2,42). Gerade in Zeiten der Unsicherheit ist es wich­tig, sich gegen­sei­tig zu stüt­zen und zu unter­stüt­zen, und dar­aus Mut und Hoffnung zu schöp­fen. Dann kann es pas­sie­ren – so wie am Ostermorgen, als Jesus den ver­sam­mel­ten Jüngern erscheint –, dass Gott die maxi­ma­le Verunsicherung über­win­det und neue Lebenskraft schenkt.

Ein Text von

Vor mei­ner jour­na­lis­ti­schen Ausbildung habe ich an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen Theologie stu­diert. Daher ist es mir auch ein Anliegen, in der Gemeindearbeit inhalt­li­che Impulse bzw. theo­­lo­­gisch-bibli­­sche Akzente zu set­zen. Außerdem fin­de ich die Arbeit unse­rer inte­gra­ti­ven Kita sehr wich­tig. Unsere drei Kinder haben die Zeit dort sehr genossen.