Impuls Thema

Mit Gefühl – 7 Wochen ohne Härte

Motiv der Fastenaktion "7 Wochen ohne Härte" (2026)
Foto: Jodie Griggs / Getty Images

In letz­ter Zeit gibt es wie­der mehr Härte: in der Sprache, im Verhalten. Ich fin­de, es ist Zeit, gegen­zu­steu­ern: mit Gefühl!

Ehrlich gesagt dach­te ich, wir hät­ten das über­wun­den, die­ses „Männer wei­nen nicht“ und „müs­sen Härte zei­gen“ und „sagen, wo’s lang­geht“. Aber aus­ge­rech­net in ver­schie­de­nen Jugendstudien blit­zen alte Rollenbilder öfter auf, und in Sozialen Medien ver­fan­gen gera­de bei jun­gen Männern Inhalte, die patri­ar­cha­le Rollen- und Männlichkeitsbilder trans­por­tie­ren. Einen wirk­li­chen „Backlash der gan­zen Jugend“ beob­ach­ten die Studien jedoch nicht, eher gibt es eine Koexistenz pro­gres­si­ver und tra­di­tio­nel­ler Muster mit Zuwachs am kon­ser­va­ti­ven Rand bei jun­gen Männern.

Ehrlich gesagt dach­te ich auch, zumin­dest ein Teil der Weltgemeinschaft hät­te über­wun­den, dass Staaten ande­re Staaten angrei­fen, um Territorien zu ver­schie­ben. Die demo­kra­ti­sche Erosion in den USA, das Erstarken des Autoritarismus, die­se Härte erzeugt Unsicherheit. Und auch in der poli­ti­schen Debatte in Deutschland gibt es eine selt­sa­me Härte gegen­über denen, die ver­meint­lich oder tat­säch­lich schwach sind.

Und im per­sön­li­chen Umfeld? Auf der Arbeit, unter Freunden, in der Familie, im Verein, in der Gemeinde – macht sich da latent auch eine gewis­se Härte breit? Sorgt die laten­te Unsicherheit dafür, dass mehr Menschen gestresst sind, gera­de so ihre eige­nen Dinge gere­gelt bekom­men, und dann bleibt weni­ger Zeit und Kraft, für­ein­an­der da zu sein? Fangen wir selbst an, här­ter zu wer­den, einen Panzer um uns her­um zu bau­en, vor allem auf uns selbst zu schauen? 

Ehrlich gesagt glau­be ich, wir soll­ten gegen­steu­ern: „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“ ist das Motto der dies­jäh­ri­gen Fastenaktion „7 Wochen ohne“, und die bie­tet nach mei­nem Empfinden die­ses Jahr beson­ders gute Anregungen, in den Wochen bis Ostern ganz bewusst auf Härte zu ver­zich­ten und statt­des­sen bewusst viel stär­ke­re Dinge zu tun: Verletzlichkeit mutig zei­gen, ande­ren mit Mitgefühl begeg­nen, Nachfragen, wenn man die Sicht des ande­ren nicht ver­steht, sanf­te Töne anschla­gen. Sieben Wochen lang, und wenn’s gut läuft auch dar­über hinaus.

Website der Fastenaktion 2026

Ein Text von

Die Nachfrage nach sinn­stif­ten­den und ori­en­tie­ren­den Angeboten, Impulsen und Inspiration für Herz und Geist ist hoch. Ich fin­de es wich­tig, dass die evan­ge­li­sche Kirche mit ihren libe­ra­len theo­lo­gi­schen Ansichten für Menschen in die­sen Fragen ein Zuhause bie­tet und das auch nach außen ein­la­dend und zeit­ge­mäß zeigt. Deshalb enga­gie­re ich mich ger­ne in der Öffentlichkeitsarbeit der Markus-Kirchengemeinde. 

Ein Beitrag aus dem

Gemeindebrief 182
Ausgabe 2026/1

Titelthema:
(Un-) Sicherheit

Seite 8