Ehrlich gesagt dachte ich, wir hätten das überwunden, dieses „Männer weinen nicht“ und „müssen Härte zeigen“ und „sagen, wo’s langgeht“. Aber ausgerechnet in verschiedenen Jugendstudien blitzen alte Rollenbilder öfter auf, und in Sozialen Medien verfangen gerade bei jungen Männern Inhalte, die patriarchale Rollen- und Männlichkeitsbilder transportieren. Einen wirklichen „Backlash der ganzen Jugend“ beobachten die Studien jedoch nicht, eher gibt es eine Koexistenz progressiver und traditioneller Muster mit Zuwachs am konservativen Rand bei jungen Männern.
Ehrlich gesagt dachte ich auch, zumindest ein Teil der Weltgemeinschaft hätte überwunden, dass Staaten andere Staaten angreifen, um Territorien zu verschieben. Die demokratische Erosion in den USA, das Erstarken des Autoritarismus, diese Härte erzeugt Unsicherheit. Und auch in der politischen Debatte in Deutschland gibt es eine seltsame Härte gegenüber denen, die vermeintlich oder tatsächlich schwach sind.
Und im persönlichen Umfeld? Auf der Arbeit, unter Freunden, in der Familie, im Verein, in der Gemeinde – macht sich da latent auch eine gewisse Härte breit? Sorgt die latente Unsicherheit dafür, dass mehr Menschen gestresst sind, gerade so ihre eigenen Dinge geregelt bekommen, und dann bleibt weniger Zeit und Kraft, füreinander da zu sein? Fangen wir selbst an, härter zu werden, einen Panzer um uns herum zu bauen, vor allem auf uns selbst zu schauen?
Ehrlich gesagt glaube ich, wir sollten gegensteuern: „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“ ist das Motto der diesjährigen Fastenaktion „7 Wochen ohne“, und die bietet nach meinem Empfinden dieses Jahr besonders gute Anregungen, in den Wochen bis Ostern ganz bewusst auf Härte zu verzichten und stattdessen bewusst viel stärkere Dinge zu tun: Verletzlichkeit mutig zeigen, anderen mit Mitgefühl begegnen, Nachfragen, wenn man die Sicht des anderen nicht versteht, sanfte Töne anschlagen. Sieben Wochen lang, und wenn’s gut läuft auch darüber hinaus.


Website der Fastenaktion 2026
Liebe Mitfastende, weit draußen im Weltall soll es einen Planeten geben, der zu einem Drittel aus Diamant besteht. Eine Welt aus dem härtesten Stoff, den wir kennen. Eine faszinierende Vorstellung. Bei uns auf der Erde ist Härte auf andere Weise allgegenwärtig. Sie zeigt sich etwa in Unbarmherzigkeit und Gewalt. Zahllose Menschen erleben sie an Leib und Seele. Wir selbst legen oft eiserne Panzer an, um uns zu schützen. Und verletzen uns damit umso mehr. Wie anders tritt Gott unserer Welt gegenüber. Ungeschützt, mitfühlend.
7wochenohne.evangelisch.deEin Text von
Die Nachfrage nach sinnstiftenden und orientierenden Angeboten, Impulsen und Inspiration für Herz und Geist ist hoch. Ich finde es wichtig, dass die evangelische Kirche mit ihren liberalen theologischen Ansichten für Menschen in diesen Fragen ein Zuhause bietet und das auch nach außen einladend und zeitgemäß zeigt. Deshalb engagiere ich mich gerne in der Öffentlichkeitsarbeit der Markus-Kirchengemeinde.
