Bericht

Kirchenmusik im Wandel – Jubiläumskonzert mit Weitblick

Zum 30-jäh­ri­gen Bestehen hat­te der Freundeskreis für Kirchenmusik in der Markuskirche Butzbach e.V. am Sonntag zu einem Konzert mit Podiumsdiskussion ein­ge­la­den. Die Veranstaltung stand unter der Fragestellung: „Kirchenmusik in Zeiten des Umbruchs – Wo geht die Reise hin?”

Seit drei Jahrzehnten unter­stützt der Freundeskreis die Kirchenmusik in der Markuskirche finan­zi­ell wie ideell. In die­ser Zeit wur­den zahl­rei­che musi­ka­li­sche Projekte ermög­licht – stets mit dem Anspruch, unter­schied­li­che Zielgruppen anzu­spre­chen und eine gro­ße sti­lis­ti­sche Vielfalt zu bieten.

Musikalisch gestal­te­ten der Jazzpianist und Komponist Peter Reiter-Schaub, die Koloratursopranistin Irina Prodan und der Trompeter German Marstatt gemein­sam mit Kantor Uwe Krause ein abwechs­lungs­rei­ches Programm. Neben Originalwerken für Orgel von Robert Schumann sowie Bearbeitungen von Kompositionen Mozarts und Händels für Sopran und Orgel erklan­gen auch eige­ne Werke der bei­den Jazzmusiker. Sanfte, zar­te und lei­se Töne wech­sel­ten sich mit kraft­vol­len, ener­gie­ge­la­de­nen Passagen ab. Besonders das fein abge­stimm­te Zusammenspiel von Bläsern mit Orgel und Klavier beeindruckte.

In das Konzert ein­ge­bet­tet war eine Podiumsdiskussion, die Martin Guth mode­rier­te. Auf dem Podium spra­chen Anne Wirth (stell­ver­tre­ten­de Dekanin des Evangelischen Dekanats Wetterau), Sabine Böhme (Mitglied des Posaunenchors der ehe­ma­li­gen Markus-Kirchengemeinde), Kirchenmusikdirektor Stefan Küchler (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) und Propsteikantorin Marina Sagorski. Oberkirchenrat a. D. Stefan Krebs konn­te krank­heits­be­dingt nicht teilnehmen.

Die Diskussionsrunde beleuch­te­te per­sön­li­che Zugänge zur Kirchenmusik eben­so wie Chancen und Herausforderungen des Umbruchs, in dem sich die evan­ge­li­sche Kirche und mit ihr die Kirchenmusik befindet.

Marina Sagorski hob zunächst die beson­de­re Atmosphäre der Markuskirche her­vor, in der Musik beson­ders wir­ke. Räume, so Sagorski, beein­fluss­ten maß­geb­lich, wie Musik wahr­ge­nom­men und erlebt werde.

Anne Wirth beton­te, wie wich­tig es sei, die Bedürfnisse und Emotionen der Menschen noch stär­ker in den Blick zu neh­men. Kirchenmusik kön­ne Menschen errei­chen, auch unab­hän­gig von einer fes­ten Glaubensbindung. Sabine Böhme schil­der­te ihre eige­ne Erfahrung: Kirchenmusik sei von klein auf „ihre“ Form der Verkündigung gewe­sen – und ein Grund, der Kirche treu zu bleiben.

Mit dem kirch­li­chen Transformationsprozess „ekhn2030“ ver­än­dert sich die Kirche in der Region – und mit ihr auch die Kirchenmusik. Zum 1. Januar haben sich die nörd­lichs­ten Kirchengemeinden des Dekanats zur „Gesamtkirchengemeinde Nördliche Wetterau“ zusam­men­ge­schlos­sen. Ressourcen wer­den gebün­delt, neue Strukturen entstehen.

Auf dem Podium wur­den die Chancen die­ser Veränderungen betont: „Die Hauptamtlichen einer Region kön­nen gaben­ori­en­tier­ter arbei­ten“, so Anne Wirth. „Gleichzeitig haben sie die Freiheit, Neues aus­zu­pro­bie­ren.“ Es sei nun Zeit zum Erproben und Ausprobieren. Sabine Böhme berich­te­te vom neu gebil­de­ten Kirchenmusikausschuss der Gesamtkirchengemeinde.

Stefan Küchler hob die nun noch stär­ke­re Zusammenarbeit aller Hauptamtlichen, also neben den Pfarrpersonen auch Gemeindepädagogen und Kirchenmusikerinnen, im soge­nann­ten Verkündigungsteam her­vor. „Gleichzeitig wol­len und müs­sen die neben­amt­li­chen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker wahr­ge­nom­men und wert­ge­schätzt wer­den.“ Ehrenamtliche, so waren sich alle einig, wer­den künf­tig eine noch wich­ti­ge­re Rolle spie­len. Man ver­su­che im Dekanat mög­lichst trans­pa­rent mit den Veränderungen umzu­ge­hen, so Anne Wirth, um mög­lichst vie­le Menschen mit­zu­neh­men – unter ande­rem mit Veranstaltungen wie die­ser Podiumsdiskussion.

Auch die Frage nach der Nähe zum Zeitgeist wur­de dis­ku­tiert: Soziale Medien könn­ten hel­fen, jün­ge­re Generationen zu errei­chen, ersetz­ten jedoch nicht das unmit­tel­ba­re Erleben von Musik. Kirchenmusik müs­se live erfahr­bar bleiben.

Zum Ausklang der Jubiläumsveranstaltung waren alle Besucherinnen und Besucher zu einem Umtrunk im Chorraum der Markuskirche ein­ge­la­den – Gelegenheit für Gespräche, Rückblicke und Ausblicke.

Ein Text von

Anna-Luisa Hortien ist seit Juli 2020 für die Öffentlichkeitsarbeit im Evangelischen Dekanat Wetterau zustän­dig. Sie küm­mert sich um die Pressearbeit, den Auftritt in den sozia­len Medien und die Internetseite des Dekanates, erstellt Printmedien und berät Gemeinden.