Nachdem zu Beginn des Krieges Zivilisten den auf Kiew vorrückenden Panzern gewaltfreien Widerstand geleistet hatten, fielen russische Truppen im Osten der Ukraine ins Land. Der Arzt aus Kiew meldete sich als Freiwilliger. Er wollte den ukrainischen Soldaten bei der Abwehr des russischen Angriffs beistehen. Er versorgte Verwundete, barg Tote aus der Frontlinie und brachte Verletze ins Landesinnere. So entstand eine tiefe Freundschaft zu den Soldaten. Um nicht selbst verrückt zu werden, wie er sagt, schrieb er Tagebuch.
Der Krieg ist so tödlich geworden
wie im Ersten Weltkrieg
Dubrovskji baute ein medizinisches Hilfszentrum nahe der Frontlinie auf und erlebte, wie unterschiedlich Menschen mit dem Krieg umgehen: „Einige tranken viel, andere desertierten. Es gab keine psychologische Hilfe.“
Ein Jahr verbrachte er an der Front. Als er 2023 nach Kiew zurückkehren musste, richteten seine Freunde eine Bitte an ihn: „Mach aus deinen Aufzeichnungen ein Buch“. Sie sagten, die Gesellschaft solle mitbekommen, in welcher Hölle sie dort lebten. So entstand „Eine Geschichte, die es wert ist, gehört zu werden“ – eine Klage an ihr eigenes Volk und auch die Völker, zu denen ihre Frauen und Kinder geflohen waren.
Diese Überschrift lässt sich auch auf die Weihnachtsgeschichte anwenden. Sie ist es wert, gehört zu werden. Gott kommt als Mensch. Er offenbart sich in Jesus. Ein Mädchen mit Namen Maria bringt ihn zur Welt. Sie macht eine prophetische Verheißung wahr. Sie gebiert einen Sohn, der neben anderen schönen Namen ein „Friede-Fürst“ genannt werden darf. Er zeigt, wie Gott die Klagen einfacher Leute aufnimmt. Jesus lehrt, nicht nach Macht streben zu wollen, sondern in allen Lagen Menschlichkeit zu bewahren. Er verleiht Kraft zu trösten und Traumata zu heilen.
Beide Geschichten sind es wert, gehört zu werden, denn wenn Klagende merken, sie werden ernst genommen, dann ist Rettung und Erlösung nahe. Diese kommt nicht durch noch mehr Gewalt und Kriegstüchtigkeit, sondern in Sanft-Mut. Sanftmut ist die Frucht einer starken Liebe.
Pfarrer Ernst von der Recke, Church & Peace