Impuls

„Alle Jahre wieder“ und doch einmalig

„Alle Jahre wie­der kommt das Christuskind, auf die Erde nie­der, wo wir Menschen sind“ heißt es in einem bekann­ten Weihnachtslied. Das ist eine schö­ne und roman­ti­sche Vorstellung, die aber mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat.

Denn tat­säch­lich kommt Jesus Christus weder als Kind noch als Erwachsener oder in einer ande­ren Form jedes Jahr wie­der auf die Erde und besucht die Menschen. Schön wär’s!

Tatsächlich aber ist Jesus Christus als Kind vor rund 2000 Jahren auf die­se Erde gekom­men. Ein ein­ma­li­ges Ereignis! Nicht wie­der­hol­bar. Und den­noch steckt in dem Weihnachtslied, des­sen Text 1837 von Wilhelm Hey ver­fasst wur­de, eine zutiefst bibli­sche Wahrheit; sie hat damit zu tun, dass mit der Geburt von Jesus, mit Weihnachten, Gott einen Neuanfang mit den Menschen startet.

Denn Weihnachten mar­kiert nicht nur den Übergang der Zeitrechnung von der Zeit vor Christi Geburt und nach Christi Geburt, son­dern mit der Geburt Jesu, die Christen an Weihnachten fei­ern, beginnt Gott eine neue, ver­än­der­te Beziehung zu den Menschen.

Deutlich wird das auch an der Aufteilung der Bibel in das Alte Testament und das Neue Testament. Und die­ses Neue Testament beginnt dann auch mit der Geburt von Jesus, jeden­falls bei den bei­den Evangelisten Matthäus und Lukas.

Das, was durch die Geburt von Jesus neu oder anders wird, ist die Art wie Gott Menschen begeg­net. Im Alten Testament war not­wen­dig, dass Menschen im Tempel in Jerusalem ein Opfer dar­brach­ten. Ein direk­ter Zugang zu Gott war nicht mög­lich. Ins Allerheiligste durf­ten nur die Priester. Gott war im wahrs­ten Sinne des Wortes unnah­bar. Ja, so unnah­bar, dass noch nicht ein­mal sein Name aus­ge­spro­chen wer­den durf­te. Aus einer berech­tig­ten Ehrfurcht vor Gott, wur­de nur noch Furcht vor dem stra­fen­den Gott, der das Leben der Menschen bis ins kleins­te Detail regelt und jede Verfehlung sieht. Gesetzlichkeit und Angst waren Kennzeichen die­ses Gottesverständnisses.

Mit der Geburt von Gottes Sohn als klei­nes Kind im Stall in Bethlehem macht Gott alles neu! Der hei­li­ge, unnah­ba­re, stra­fen­de Gott, macht sich abso­lut nah­bar, ver­letz­lich und setzt einen neu­en Ton in der Beziehung zu den Menschen. Nun kön­nen Menschen Gott in sei­nem Sohn Jesus direkt begeg­nen. Sie erle­ben einen freund­li­chen, gnä­di­gen, sanft­mü­ti­gen, ja lie­ben­den Gott. Auch wenn es Jesus an vie­len Stellen nicht an Eindeutigkeit mis­sen lässt, so ist sein Grundtenor doch ein neu­er und ande­rer. So lehrt Jesus das Vater Unser, als Gebet, in dem Gott als Vater ange­spro­chen wird. Und immer wie­der betont Jesus: „Wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.“ (Johannes 12,45)

Auch in die­sem Sinne beginnt eine neue Zeitrechnung.

Als Jesus stirbt und die­se Erde ver­lässt, schickt Gott sei­nen hei­li­gen Geist, um Menschen deut­lich zu machen, dass er immer noch bei Ihnen ist und sie immer noch einen direk­ten Zugang zu ihm haben.

Im Brief an die Christen in Galatien beschreibt der Apostel Paulus die­sen Wandel so: „Als aber die von Gott fest­ge­setz­te Zeit kam, sand­te er sei­nen Sohn zu uns. Christus wur­de wie wir als Mensch gebo­ren und den Forderungen des Gesetzes unter­stellt. Er soll­te uns befrei­en, die wir Gefangene des Gesetzes waren, damit wir zu Kindern Gottes wer­den und alle damit ver­bun­de­nen Rechte emp­fan­gen konn­ten. Weil ihr nun sei­ne Kinder seid, schenk­te euch Gott sei­nen Geist, den­sel­ben Geist, den auch der Sohn hat. Jetzt kön­nen wir zu Gott kom­men und zu ihm sagen: »Abba, lie­ber Vater!« Ihr seid also nicht län­ger Gefangene des Gesetzes, son­dern Söhne und Töchter Gottes.“ (Galater 4,4–7 / Übersetzung: Hoffnung für Alle)

Jesus selbst sagt es den Menschen zu, dass er bei Ihnen ist jeden Tag bis zum Ende der Welt. Und damit wären wir wie­der beim Weihnachtslied „Alle Jahre wie­der“. Denn dort heißt es völ­lig zurecht über das, was das Christus tut: „Geht auf allen Wegen mit uns ein und aus; ist auch mir zur Seite Still und unerkannt.“

Ein Text von

Vor mei­ner jour­na­lis­ti­schen Ausbildung habe ich an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen Theologie stu­diert. Daher ist es mir auch ein Anliegen, in der Gemeindearbeit inhalt­li­che Impulse bzw. theo­­lo­­gisch-bibli­­sche Akzente zu set­zen. Außerdem fin­de ich die Arbeit unse­rer inte­gra­ti­ven Kita sehr wich­tig. Unsere drei Kinder haben die Zeit dort sehr genossen. 

Ein Beitrag aus dem

Gemeindebrief 181
Ausgabe 2025/3

Titelthema:
Übergang

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