Impuls

Zwischen gestern und morgen: Die Chance der Nachprüfung

Die dies­jäh­ri­ge Jahreslosung hat uns am Beginn des Jahres ein­ge­la­den, zu prü­fen und Gutes zu behal­ten. Jetzt lade ich Sie ein, eine Halbjahresbilanz zu ziehen.

Prüft alles und behal­tet das Gute
(1. Thessalonicher 5,21)

Wer einen Obstbaum schnei­det, hat in aller Regel die Möglichkeit, vie­le Äste abzu­schnei­den. Wer einen guten Schnitt machen will, geht mehr­fach um den Baum her­um, prüft und wägt ab. Nimmt den einen oder ande­ren Ast in die Hand, betrach­tet sich die Knospen oder sucht nach ver­steck­ten Augen und formt vor dem Schnitt vor sei­nem inne­ren Auge ein Bild vom Baum. Das Gute am Baum behält er. Alles Störende oder Überflüssige schnei­det er ab. So ein Baumschnitt braucht Zeit, wie auch der Baum sei­ne Zeit braucht, um eine gute Gestalt aus­bil­den zu können.

So ein­fach ist es im Leben nicht immer. Aber die Zeit, Dinge zu betrach­ten, sie in die Hand zu neh­men und abzu­wä­gen ist eine geschenk­te Zeit, die – wie beim gut geschnit­te­nen Baum – Frucht brin­gend sein kann.

Nachprüfungen genie­ßen ja bei uns in aller Regel kei­nen so guten Ruf. Und zuge­ge­ben: In Prüfungssituationen sind sie unan­ge­nehm (und beim Führerschein sehr teu­er). Aber im Blick auf die Jahreslosung für 2025 könn­te eine Nachprüfung viel­leicht ganz hilf­reich sein:

Was war das Gute, das ich geprüft hat­te und behal­ten wollte?

Was ist aus „dem Guten“ geworden?

Hat sich „das Gute“ bis­lang als gut erwiesen?

Was muss ich tun, damit „das Gute“ sich mehr ent­fal­ten kann oder mehr Raum in mei­nem Leben gewinnt?

Gut, dass wir es mit einem Gott zu tun haben, der uns die Zeit und die Möglichkeiten schenkt, Nachbetrachtungen zu machen und in die Nachprüfung zu gehen. Und weil ER gnä­dig ist mit uns, dür­fen auch wir gnä­dig sein mit uns und ande­ren. Nämlich da, wo wir mer­ken, dass nach­ge­steu­ert oder nach­ge­ar­bei­tet wer­den muss oder Entscheidungen viel­leicht noch­mals kla­rer gefasst wer­den müssen.

Beim Apfelbaum gibt es übri­gens auch die Möglichkeit eines Sommerschnitts – für mög­lichst schö­ne und gro­ße Früchte.

„Prüft alles und behal­tet das Gute.“ Wie sieht das bei Ihnen zum Halbjahr gera­de aus?

Ein Text von

Dekan Volkhard Guth ist 1967 gebo­ren. Von 1999 bis 2013 war er Pfarrer der Martinsgemeinde Rüsselsheim, von 2003 bis 2013 Pfarrer für gesell­schaft­li­che Verantwortung im Ev. Dekanat Rüsselsheim. Seit 1. Oktober 2013 ist er Dekan des Ev. Dekanats Wetterau, im März 2015 wur­de er wie­der­ge­wählt für eine drit­te Amtsperiode. 2024 hat er sein 25-jäh­ri­­ges Ordinationsjubiläum gefeiert.

Ein Beitrag aus dem

Gemeindebrief 180
Ausgabe 2025/2

Titelthema:
Gestern, heu­te, morgen

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