Gestern – heute – morgen. Unser menschliches Leben erstreckt sich zwischen der Vergangenheit und der Zukunft. Jubiläen sind oft eine Gelegenheit, zurückzublicken oder Bilanz zu ziehen; Höhepunkte und vielleicht auch Tiefpunkte zu bedenken. Der biblische, jüdisch-christliche Glaube ist ein Glaube, der immer wieder Kraft aus der Besinnung auf Gottes gutes und rettendes Handeln in der Vergangenheit zieht.
Häufig können wir in der Bibel die Aufforderung lesen, sich zu erinnern, was Gott Gutes in der Vergangenheit bewirkt hat. So heißt es etwa in Psalm 103: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“
Gerade angesichts der heutigen Herausforderungen kann so ein Rückblick und ein Sich-Vergewissern der Güte Gottes helfen, gegenwärtige Ängste zu überwinden oder zumindest zu relativieren.
Die Theologin und Psychotherapeutin Antje Sabine Naegeli drückt dies am Ende eines Gebets in dunklen Stunden so aus: „… Immer noch hast du mich aufgerichtet.“
Aber auch von der anderen Seite, der zukünftigen Erwartung, können wir Zuversicht gewinnen. So trösten die alttestamentlichen Propheten das Volk Israel in der dunklen Zeit des Exils mit der Zusage von Gottes rettendem Handeln. Auch Jesu letzte Worte im Matthäus-Evangelium wollen Zuversicht wecken: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt“.
Mit solcher Zuversicht können wir dann auch an unsere Aufgaben in der Gegenwart gehen – im Hier und Jetzt.
Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen
Mein sind die Jahre nicht,
die etwa möchten kommen
Der Augenblick ist mein
und nehm‘ ich den in acht
So ist der mein,
der Jahr und Ewigkeit gemacht.
Andreas Gryphius (17. Jahrhundert)
Letztlich ist das ja entscheidend: Sich nicht in die Vergangenheit oder Zukunft zu verlieren, sondern das Leben zu leben – in der Gegenwart Gottes.