Damit alle im Gottesdienst mitsingen können, gibt es am Eingang der Kirche das Evangelische Gesangbuch. Seine Ur-Fassung war 1524 erschienen: das Enchiridion aus Erfurt mit 25 Liedern. Es war die erste richtige Sammlung, die meisten Lieder darin kamen von Martin Luther, und – das war auch neu – sie waren auf Deutsch. Die Reformatoren hatten erkannt, dass sich über das Singen eine Gemeinschaft bildet. Oft wurden bekannte bereits bestehende Lieder mit neuem Text versehen. Manche Lieder sind auch heute noch im Gesangbuch enthalten, wie Nr. 299, „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“.
Über die Jahrhunderte sind immer wieder Lieder aus dem Gesangbuch entfernt und neue hinzugefügt worden. Die noch aktuelle Ausgabe ist aus den 1990er Jahren. Eine 70-köpfige Kommission arbeitet derzeit an einer neuen Version. Sie überprüft jedes Lied: Sind Text und Botschaft gut und verständlich? Wie sind Melodie, Singbarkeit und Popularität? Zahlreiche neue Lieder, die in den letzten Jahren unter anderem zu den Kirchentagen entstanden sind, sollen neu aufgenommen werden.
Die große Innovation ist aber: Das neue Gesangbuch soll auch in digitaler Form erscheinen, sodass es viel schneller erweitert werden kann. So könnte es viel häufiger neue Lieder geben. Dieter Falk, Musikproduzent und Dozent an der Evangelischen Popakademie, sagte schon vor acht Jahren in einem Interview: „Eigentlich muss man wie im Pop tagesaktuell sein und Lieder, die man in Woche eins schreibt, in Woche drei oder vier schon in der Kirche spielen“. Wenn sie gut gemacht sind, könne die schnell jeder mitsingen. Entscheidend sei dafür eine zeitgemäße Kirchenmusiker-Ausbildung.
Seit 2016 gibt es die Evangelische Popakademie in Witten, die bald aufgeht in der neuen Hochschule für Kirchenmusik in Bochum, in der klassische und populäre Musik auf Augenhöhe unterrichtet werden sollen. Die Studierenden lernen dann, wie man klassische Kirchenmusik so aufführt, dass sie nicht altbacken klingt, sie sollen Popsongs schreiben können und wissen, welche Musik in welche (Hall-) Räume passt und wie sie schnell auf aktuelle Trends der Musik reagieren können.
Ein Text von
Die Nachfrage nach sinnstiftenden und orientierenden Angeboten, Impulsen und Inspiration für Herz und Geist ist hoch. Ich finde es wichtig, dass die evangelische Kirche mit ihren liberalen theologischen Ansichten für Menschen in diesen Fragen ein Zuhause bietet und das auch nach außen einladend und zeitgemäß zeigt. Deshalb engagiere ich mich gerne in der Öffentlichkeitsarbeit der Markus-Kirchengemeinde.
