Nördliche Wetterau

Die EKHN im Wandel der Zeit

„Jesus Christus – ges­tern und heu­te und der­sel­be auch in Ewigkeit.“ (Hebräer 13,8)

Dieser Vers steht über vie­len Jahreswechseln, Lebensetappen – und passt gut zum Thema Ihres Gemeindebriefs. Er erin­nert dar­an, dass bei allem Wandel und aller Veränderung ein tra­gen­der Grund bleibt. Auch für unse­re Kirche.

Wenn wir als Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) auf unse­re Geschichte bli­cken, ist „Gestern“ nicht nur Rückblick, son­dern immer auch Erinnerung an das, was uns geprägt hat – und wor­aus wir Kraft schöpfen.

Gestern

Die EKHN ent­stand 1947 in der Nachkriegszeit aus einem bewuss­ten Neuanfang: Gemeinden der frü­he­ren Volkskirchen woll­ten sich klar vom Nationalsozialismus abgren­zen. Synodalität, Verantwortung, Gewissen – die­se Werte wur­den zur Grundlage unse­rer Kirchenordnung. Diese ist bis heu­te ein beson­de­rer Schatz, weil sie Synode, Kirchenleitung, Dekanate und Gemeinden in ein leben­di­ges Miteinander stellt.

Es waren Jahrzehnte der Erneuerung. Der Aufbau der Gemeindezentren, die Öffnung für gesell­schaft­li­che Themen, die stär­ke­re Beteiligung von Frauen. Die Einführung des Pfarrdienstes für Frauen war eben­so weg­wei­send wie spä­ter die Öffnung für gleich­ge­schlecht­li­che Paare oder das kla­re Engagement gegen Rassismus. Unsere Kirche war nie abge­schlos­sen von der Welt – son­dern immer mittendrin.

Heute

Wir erle­ben einen tief­grei­fen­den Wandel. Die Zahl der Mitglieder sinkt, Ressourcen sind knapp. Und doch gestal­ten wir vie­ler­orts eine leben­di­ge Kirche, auch in ver­än­der­ten Strukturen: in der Seelsorge, im Kindergottesdienst, bei musi­ka­li­schen Projekten, in den Kitas, bei Tauf- und Hochzeitsfesten, auf dem Friedhof. Da, wo Menschen beten, wo sie ein­an­der mit Respekt und Nächstenliebe begeg­nen, geschieht Kirche.

Zugleich müs­sen wir uns ehr­lich fra­gen: Was ist wirk­lich wich­tig? Was trägt? Welche Formen hel­fen uns, den Glauben zu leben? Das ist kei­ne ein­fa­che Phase, aber sie birgt eine gro­ße Chance: näm­lich neu zu ent­de­cken, was uns als Kirche ausmacht.

Morgen

In der EKHN ver­su­chen wir, bei­des zusam­men­zu­den­ken: Realismus und Hoffnung. Der Transformationsprozess „ekhn2030“ ist ein Beispiel dafür. Er bün­delt Kräfte, gestal­tet Regionen neu, macht Gemeinden und Nachbarschaften vielfältiger.

Dabei tau­schen wir uns inten­siv aus über zukunfts­fä­hi­ge Gemeindemodelle, zeit­ge­mä­ße Ausdrucksformen des Glaubens, gute Rahmenbedingungen für das Ehrenamt und die Profilierung kirch­li­cher Berufe. Vielleicht ist Kirche in Zukunft klei­ner – aber trotz­dem bedeut­sam. Vielleicht weni­ger insti­tu­tio­nell – aber nah an den Menschen.

Der Einsatz für Bildung, etwa in evan­ge­li­schen Kitas, das Engagement für Frieden und Gerechtigkeit, die Verantwortung für die Schöpfung, das dia­ko­ni­sche Wirken zusam­men mit ande­ren Akteuren, der ver­ant­wor­tungs­vol­le Umgang mit KI und Technik – all das zeigt: Kirche wird auch mor­gen die Welt mitgestalten.

Im Vertrauen unterwegs

Als Stellvertretende Kirchenpräsidentin bin ich oft in unse­rer Landeskirche unter­wegs. Ich erle­be Gemeinden wie Ihre, die sich mit Herzblut ein­set­zen, die fei­ern, trau­ern, hof­fen – die ein­fach „Kirche sind“. Das berührt mich tief.

Zwischen Gestern, Heute und Morgen bleibt für mich ent­schei­dend: dass wir als Kirche den Menschen die­nen, nicht uns selbst. Dass wir Gott suchen, nicht nur Strukturen pfle­gen. Und dass wir den Mut haben, uns zu ver­än­dern – im Vertrauen auf Jesus Christus, der auch künf­tig der­sel­be ist.

Ich dan­ke Ihnen in Butzbach und im Dekanat Wetterau für Ihr Engagement, Ihre Offenheit, Ihre Fragen. Möge Gottes Geist Sie beglei­ten – auf allen Wegen zwi­schen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Ein Text von

Im November 2012 wur­de Ulrike Scherf von der Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zum ers­ten Mal in das Amt der Stellvertretenden Kirchenpräsidenten gewählt und trat es im Februar 2013 an. Ihre ers­te Amtsperiode endet nach acht Jahren am 31.01.2021. Im November 2019 wur­de sie für wei­te­re acht Jahre bis 2029 in ihrem Amt bestätigt.

Ein Beitrag aus dem

Gemeindebrief 180
Ausgabe 2025/2

Titelthema:
Gestern, heu­te, morgen

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