„Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“. Mit diesen Worten endet der Filmklassiker „Casablanca“. Und mit diesem Gedanken endete die gemeinsame Klausur mit Kirchenvorständen aus drei Gemeinden unserer Region im Februar. Die gemeinsame Zeit und das gegenseitige Kennenlernen waren wichtig, denn auch lokale Kirche verändert sich. Dazu gehört die Bildung eines Nachbarschaftsraumes rund um Butzbach, der von Trais-Münzenberg bis Bodenrod reicht. Ausgelöst wurde er durch Sparmaßnahmen, durch den „Fachkräftemangel“ im Pfarrberuf und durch schrumpfende Gemeindegliederzahlen. Die Veränderungen sind so vielfältig und tiefgreifend, dass wir sie nicht einfach aussitzen können. Die Bündelung von Ressourcen, die Kooperation von Gemeinden, die Entwicklung von Teamarbeitsmodellen im Pfarrdienst und auch die Zusammenführung von Verwaltungsstrukturen sind nötig.
Darum wurde zum 1. Januar 2025 eine Verwaltungskooperation der Gemeinden im Nachbarschaftsraum beschlossen. In Zukunft werden vier Sekretärinnen für den gesamten Nachbarschaftsraum an fünf Tagen in der Woche am Kirchplatz 12 in Butzbach erreichbar und ansprechbar sein.
Außerdem arbeitet die Pfarrerschaft mit den Kirchenmusikerinnen und ‑musikern des Nachbarschaftsraumes seit diesem Jahr in einem gemeinsamen „Verkündigungsteam“. Wichtigste Aufgabe ist es zunächst, dass Pfarr- und Verkündigungsdienste in den kommenden Zeiten sicherstellt werden. Mehrere Pfarrerinnen und Pfarrer gehen demnächst in Ruhestand, deren Stellen durch die übrigen Pfarrerinnen und Pfarrer dann mitversorgt werden sollen. Das will gut durchdacht sein. Ein wenig spüren die Gottesdienstbesucherinnen in Butzbach und Kirch- und Pohl-Göns schon jetzt davon, wenn sie den gemeinsamen Gottesdienstplan wahrgenommen haben. Zeiten, Orte und Personen, die diese Gottesdienste gestalten, sind variabler und vielfältiger geworden.
Schließlich wollen die Ortsgemeinden des Nachbarschaftsraumes noch in diesem Jahr eine gemeinsame „Gesamtkirchengemeinde“ bilden. Diese wird in einem gemeinsamen Kirchenvorstand die Verwaltungs- und Leitungsarbeit der Gemeinden bündeln, sodass in den Orten Kräfte und Zeit frei werden, um die eigentliche, geistliche Gemeindearbeit zu gestalten. Darüber wurde seit Jahresbeginn in Gemeindeversammlungen in den Ortskirchengemeinden informiert. Eine Satzung dieser Gesamtkirchengemeinde wird erstellt, die in Grundzügen bereits fertig ist.
All diese Schritte kosten Kraft und Zeit, und so manche Veränderung ist schmerzlich oder eine Verlusterfahrung. Dann ist es gut, sich zu vergegenwärtigen, dass Veränderung auch wesentlich zur Kirche gehört. So drängt sich gerade jetzt die Frage auf: Was ist in der momentanen Situation unser Auftrag als Kirche? Und dann können wir inmitten schwieriger Veränderungsprozesse auch Chancen und Möglichkeiten sehen.
So konnten wir gemeinsam im Nachbarschaftsraum schon öfter bei Großveranstaltungen wie Tauffest oder Konfi-Einführungsgottesdienst erleben, wie schön es ist, gemeinsam zu erfahren: „Wir sind viele“. Auch das Wahrnehmen von wertvollen Angeboten der anderen Gemeinden gehört dazu und die positive Erfahrung der gemeinsamen Kirchenvorstandsklausur Anfang des Jahres.
Ein Text von
- Pfarrer
Ich wurde 1964 in Bremen geboren, wuchs im hessischen Hinterland bei Biedenkopf auf und habe 1984 in Bad Laasphe mein Abitur erworben. Ich studierte in Marburg, Sao Leopoldo/Brasilien und Kassel evangelische Theologie. Mein Vikariat absolvierte ich in Darmstadt und bin seit 1997 Pfarrer der Evangelischen Markus-Kirchengemeinde Butzbach. Verheiratet bin ich mit Dr. Katharina Vossmeyer, wir haben eine Tochter.
- Pfarrer
- Kirchenvorstands-Vorsitzender
Im Odenwald bin ich 1969 geboren und habe dort meine Kindheit und Jugend verbracht. Nach der Schule zog es mich nach Südafrika, wo ich ein kirchliches Praktikum absolvierte. Mein Theologiestudium führte mich nach Marburg, Heidelberg und Kapstadt. Nach dem Vikariat in Allendorf a.d. Lumda war ich in Südafrika als Friedensfachkraft im kirchlichen Entwicklungsdienst tätig. 2012 kehrte ich wieder nach Deutschland zurück, wo ich zunächst in Schaafheim eine Pfarrstelle übernahm. Ich bin verheiratet und habe zwei Söhne.
Vor meiner journalistischen Ausbildung habe ich an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen Theologie studiert. Daher ist es mir auch ein Anliegen, in der Gemeindearbeit inhaltliche Impulse bzw. theologisch-biblische Akzente zu setzen. Außerdem finde ich die Arbeit unserer integrativen Kita sehr wichtig. Unsere drei Kinder haben die Zeit dort sehr genossen.


