Komm, wir teilen das Essen, mein Bruder,
Aus einem Gedicht von J. E. Stringfellow
Komm, wir teilen, was wächst auf der Welt:
Fleisch für mich, und Reis für dich.
Eier zum Tee, und Reis für dich.
Das ist gut für mich, und der Reis ist für dich.
Käse, Konserven und Schinken und Fisch, Obst und Wein und Milch auf dem Tisch Für mich.
Und eine Handvoll, Reis, gerade eine Handvoll (wenn du Glück hast)
für dich!
Derartige Texte und Hintergrundinformationen aus verschiedens-ten Ländern der Erde lesen wir, einige Frauen aus verschiedenen Gruppen der Markusgemeinde, beim jährlichen Weltgebetstag Anfang März. Diese Fragen und Probleme vieler Menschen weltweit, die nicht genug zu essen haben und für die es keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser gibt (663 Millionen Menschen leiden darunter!), machen uns immer wieder zu schaffen. Auch die wachsende Not und Armut in unserem Land lassen uns keineswegs unberührt, zumal jetzt gerade die Preise für Energie und Lebensmittel enorm in die Höhe gehen. Besonders in den Ländern des globalen Südens gibt es keine sozialstaatlichen Hilfen, wie wir sie kennen und die die Not ein wenig abfedern können.
Unsere Schwiegertochter stammt aus Kenia. Sie erzählt uns immer wieder von den Lebensbedingungen vieler Menschen in ihrem Heimatort: von Kindern, die nicht mehr genug zu essen haben und hungern, bedingt durch Ernteausfälle nach jahrelanger Trockenheit oder heftigen Überschwemmun-gen. Mir fällt dann immer ein Liedvers aus unserem Gesangbuch ein (EG 420): „Brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus.“
Unsere Schwiegertochter bemüht sich, gerade hungernden Kindern zu helfen. „Put a smile on their face“ nennt sich ihre Gruppe, in der sie zusammen mit anderen Müttern ihres Heimatdorfes warme Mahlzeiten unter freien Himmel in großen Kesseln kochen. Dafür sammelt sie in ihrem Freundes- und Bekann-tenkreis hier Geld, um in einer größeren Stadt nahe ihres Heimatdorfes Lebensmittel zu kaufen, die für die einheimische Bevölkerung unbezahlbar geworden sind.
Ich selbst bin in der Kriegs- und Nachkriegs-zeit aufgewachsen und habe erlebt, was Hun-ger bedeutet und bewirkt. Wenn jetzt überall Berichte und Bilder aus Kriegsgebieten bei uns in Europa, aber auch aus sehr vielen Ländern weltweit, zu lesen und zu sehen sind, werden bei mir viele Erinnerungen aus dieser Kriegs- und Nachkriegszeit wach und belasten mich.
Mir ist schon immer der Gedanke der Fairness wichtig, den ich von Kindheit an im Sport kennengelernt habe, und dann später als Gymnastiklehrerin in meinen Sport- kursen weitergeben wollte. Gerade die Gemeinschaftserlebnisse im Sport haben mir deutlich gemacht wie richtig es ist, fair miteinander umzugehen. Ich halte nichts von einem Lebensstil, der nur den eigenen Vorteil sucht und das eigene Ego befriedigen will, ohne das Wohl der anderen Menschen zu berücksichtigen. Ich bemühe mich darum, getragen durch meinen christlichen Glauben, das miteinander leben fair zu gestalten und Achtung und Ehrfurcht vor jedem menschli-chen Leben zu haben. Es geht mir dabei um Gerechtigkeit und Frieden für alle Menschen und die Bewahrung und den Erhalt der Schöpfung Gottes. Ich hoffe, mit meinen kleinen Kräften und winzigen Möglichkeiten dabei ein wenig mithelfen zu können.