In manchen Momenten stelle ich mir vor: Was würden eigentlich Außerirdische davon halten? Also nur mal angenommen, sie wären dazu in der Lage, mit ihrem Raumschiff unauffällig den irdischen Luftraum zu durchfliegen, und sie könnten sich von oben anschauen, was wir, die „intelligenten Zweibeiner“, hier alles anstellen. Welche Fragen würden Sie sich stellen – oder uns?
Zum Beispiel, wenn wir uns jeden Tag in kilometerlangen Staus über die A5 nach Frankfurt stehen. Wie intelligent ist es denn wirklich, dass allein in der Region Rhein-Main täglich rund eine Million Pendler unterwegs sind? (Übrigens: Wenn es bei Ameisen voll und eng wird, weichen sie einander geschickt aus, da gibt’s keinen Stau.)
Zum Beispiel, wenn es um die übermäßige Ausbeutung unseres Planeten und die Befeuerung der Klimakatastrophe geht. Wie intelligent sind wir Zweibeiner denn tatsächlich, wenn wir so genau wie nie zuvor wissen, dass wir uns selbst die Lebensgrundlage nehmen und gleichzeitig dennoch weitermachen?
Zum Beispiel, wenn – wie jetzt in der Energiekrise – manche nicht wissen, wie sie ihre Rechnungen noch bezahlen sollen – und andere vielleicht einen Urlaub streichen müssen. Wie erklärt diese Ungleichverteilung jemand plausibel einem extra-terrestrischen Gast?
Mit dem Galaxi-Taxi aus der fernen Dimension
In seinem Song „Commander Superfinger“ hatte Udo Lindenberg offenbar eine ganz ähnliche Vorstellung. Der Typ aus der „fernen Dimension“ checkt ziemlich schnell: „Bei euch hier unten läuft was falsch“
Zunächst meint er damit unsere Technologie, die am Ende möglicherweise uns Menschen beherrscht statt umgekehrt. Ob Commander Superfinger die Kommunikation in (Sozialen) Medien mit einer manchmal unübersichtlichen Fülle von Information und Desinformation im 21. Jahrhundert meinte? Oder die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz, von der viele gar nicht so genau wissen, was das eigentlich genau ist?
Jedenfalls ist dem schlauen Erdenbesucher sehr schnell klar, was hier los ist:
„Es ist auf eurer Erde für alle alles da
Ihr müßt es nur anders verteilen,
dann wär doch wirklich alles klar“
Technologie ist aus Sicht von Superfinger nicht per se schlecht, schließlich ist er nicht nur „Commander“, sondern auch „Computerexperte“ und „Digitalspion“. Wie praktisch, denn Commander Superfinger schaut sich das Treiben hier auf der Erde nicht lange an, sondern bringt es selbst in Ordnung: Er überweist „die ganze Kohle“ solang hin und her, bis sie gerecht verteilt ist, deaktiviert die „Scheiß-Raketen“ und stoppt nebenbei „die totale Automation“, die die Reichen immer reicher macht.
Alles schreit: Geil, geil, geil, was hier passiert
Der Song von Udo Lindenberg ist übrigens auf dem Album „Götterhämmerung“ erschienen – 1984. Ernüchternd, dass der Song auch 38 Jahre später nichts von seiner Aktualität verloren hat.
Vielmehr sieht sowohl die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Karlsruhe Anfang September als auch Wissenschaftler:innen einen direkten Zusammenhang zwischen ungerechter Verteilung und misslingendem Klimaschutz.
Im neuen Club-of-Rome-Report „Earth for all“ steht, wenn die Menschheit den Zusammenbruch ganzer Weltregionen, Destabilisierung von Demokratien und Kriege um Ressourcen verhindern will, braucht es eine massive Kehrtwende in mehreren Bereichen samt Umverteilung, bei der die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung die Rechnung bezahlen müssen – auch ohne Commander Superfinger.
Buchtipp

Zusammenfassung im Wissenschaftsmagazin NANO
Ein Text von
Die Nachfrage nach sinnstiftenden und orientierenden Angeboten, Impulsen und Inspiration für Herz und Geist ist hoch. Ich finde es wichtig, dass die evangelische Kirche mit ihren liberalen theologischen Ansichten für Menschen in diesen Fragen ein Zuhause bietet und das auch nach außen einladend und zeitgemäß zeigt. Deshalb engagiere ich mich gerne in der Öffentlichkeitsarbeit der Markus-Kirchengemeinde.
