Geistliches Wort

Aus dem „Weniger“ teilen

Haben wir genug? Gerade in die­sem Herbst und Winter haben vie­le die
nicht unbe­grün­de­te Angst davor, dass es nicht rei­chen wird. Energieversorgung, Energiepreise, Inflation … schwie­ri­ge Zeiten. Für vie­le unter uns
ist es – trotz allem – immer noch genug. Vielleicht nicht mehr für alle Annehmlichkeiten. Aber für das Wesentliche, das täg­lich Brot, Kleidung, ein
Dach über dem Kopf. Für man­che – bei uns in Deutschland aber gera­de
auch für unse­re fer­nen Nächsten in ärme­ren Ländern – ist oder wird die
Lage wirk­lich prekär.

Ich den­ke an die Geschichte der Speisung der 5000. Hier sind mir zwei
Aspekte wich­tig: Zum einen: Die Jünger machen Jesus dar­auf auf­merk­sam, dass die vie­len Leute, die ihm zuhör­ten und geheilt wur­den, am
Abend Hunger haben und etwas zu essen brau­chen. Er soll sie gehen
las­sen, damit sie sich etwas zu essen besor­gen kön­nen. Jesus aber for­dert die Jünger auf, das, was ver­füg­bar ist, zu tei­len – auch wenn es noch
so wenig erscheint. „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Er traut ihnen zu, dass sie
den Menschen genug geben kön­nen.
Und zum ande­ren: Jesus sieht zum Himmel, zum Geber aller Gaben und
dankt – für das Wenige – und dann teilt er, was da ist und die Jünger
geben es den Menschen. Und: Es reicht, es ist genug! Durch das Teilen
des Wenigen wer­den alle satt.
Vielleicht sind unse­re schwie­ri­gen Zeiten Gelegenheiten, das zu üben:
Dankbar zu sein und aus dem Wenigen bzw. dem „Weniger“ zu teilen.

Eine ein­fa­che Übung kann dazu bei­tra­gen, die Dankbarkeit bei uns zu
för­dern. Probieren Sie das ein paar Tage aus: Jeden Abend vor dem
Schlafengehen an drei Dinge, Personen oder Ereignisse des ver­gan­ge­nen
Tages den­ken und dafür dan­ken. Das wird die Realität der schwie­ri­gen
Zeiten nicht ver­än­dern. Aber es könn­te uns selbst ver­än­dern: weni­ger
Angst, mehr Dankbarkeit und Vertrauen. Und dann viel­leicht auch mehr
Bereitschaft zum Teilen aus dem „Weniger“.

Ein Text von
  • Pfarrer
  • Kirchenvorstands-Vorsitzender

Im Odenwald bin ich 1969 gebo­ren und habe dort mei­ne Kindheit und Jugend ver­bracht. Nach der Schule zog es mich nach Südafrika, wo ich ein kirch­li­ches Praktikum absol­vier­te. Mein Theologiestudium führ­te mich nach Marburg, Heidelberg und Kapstadt. Nach dem Vikariat in Allendorf a.d. Lumda war ich in Südafrika als Friedensfachkraft im kirch­li­chen Entwicklungsdienst tätig. 2012 kehr­te ich wie­der nach Deutschland zurück, wo ich zunächst in Schaafheim eine Pfarrstelle über­nahm. Ich bin ver­hei­ra­tet und habe zwei Söhne. 

Ein Beitrag aus dem

Gemeindebrief 171
Ausgabe 2022/3

Titelthema:
Genug für alle?

Seite 3